Die Beziehungen zwischen China und Korea
Betrachtet man die Beziehungen zwischen China und Korea, so muss man die historische Dimension einbeziehen. Korea war seit Japan 1910 den Rücktritt des koreanischen Kaisers erzwungen hatte, japanische Kolonie. Japan modernisierte das Land und versuchte zunächst, die Koreaner auf sanfte Weise zur Zusammenarbeit zu gewinnen. Dies änderte sich ab 1937 mit der Besetzung des überwiegenden Teils Chinas durch Japan. In diesen Jahren wurde auch in Korea eine brutale Unterdrückung des Volkes mit dem Ziel der „Japanisierung“ praktiziert.
Nach der japanischen Kapitulation gegenüber den USA kämpften in China die „nationalchinesischen“ Truppen unter Tschiang Kai-Shek gegen die von Mao Tse Tung angeführten Kämpfer der kommunistischen Partei. Diese Auseinandersetzung endete 1949 mit der Ausrufung der Volksrepublik China und der Abtrennung Taiwans, das von Tschiang Kai-Shek besetzt worden war. In Korea nahm die Geschichte einen durchaus ähnlichen Verlauf: Zunächst wurde das Land aufgrund einer Absprache zwischen den ehemaligen Kriegsverbündeten USA und Sowjetunion geteilt, die japanischen Truppen im Norden mussten sich den Sowjets ergeben, die Truppenteile im Süden den Amerikanern.
Der nördliche Teil sollte gemäß alliierter Vereinbarung dem sowjetischen Einflussbereich zugerechnet werden, der Süden dem amerikanischen. Die Sowjetunion begann unmittelbar nach der japanischen Kapitulation mit dem Aufbau einer Verwaltungsstruktur nach sowjetischem Muster im Norden. Die Amerikaner allerdings versäumten es, frühzeitig ihren „Anspruch“ auf die Umsetzung dieser Absprache auch durch entsprechende Militärbündnisse zu festigen. Als der US-Außenminister Dean Acheson in einer Rede, in der er den amerikanischen Einflussbereich in Asien beschrieb, Korea praktisch unerwähnt ließ, nahm das der Parteichef der KP Nordkoreas, Kim Il-Sung zum Anlass, mit Billigung Stalins Südkorea anzugreifen. Den USA gelang es aufgrund der Abwesenheit Russlands im UN-Sicherheitsrat, einen Auftrag der Vereinten Nationen für einen Kriegseinsatz gegen Nordkorea zur Wiederherstellung des „Status quo“ zu erhalten.
In diesem Krieg erhielt Korea massive militärische Unterstützung nicht nur seitens der UdSSR, sondern auch vor allem vonseiten der jungen Volksrepublik China, die an den Norden Koreas angrenzt. Als die chinesische Unterstützung immer offensichtlicher wurde, entwickelte der amerikanische Befehlshaber Douglas Mac Arthur Pläne, China anzugreifen, wobei sogar der erneute Einsatz von Atomwaffen, diesmal gegen China erwogen wurde. Diese Pläne für eine Ausweitung des Krieges stießen auf kategorischen Widerstand des US-Präsidenten Truman und führten zur Absetzung Mac Arthurs, der daraufhin als Präsidentschaftskandidat der Republikaner in den USA antrat (und unterlag).
Seither besteht ein Waffenstillstand mit einer vier Kilometer breiten „entmilitarisierten Zone“ entlang der „Demarkationslinie“ auf dem 38.. Breitengrad, der die beiden koreanischen Staaten teilt. Kaum eine Grenze ist so lange undurchlässig geblieben, wie diese Trennungslinie. Aufgrund der ideologischen Gemeinsamkeiten besteht eine enge freundschaftliche Beziehung zwischen Nordkorea und der Volksrepublik China, während die Beziehungen Chinas zu den zwar gleichfalls autoritär geprägten aber an die USA und ihre Verbündeten angelehnten Regierungen Südkoreas, die eine kapitalistische Wirtschaftsordnung aufbauten, nahezu inexistent waren.
Erst 1992 wurden diplomatische Beziehungen zwischen China und Südkorea aufgenommen, und die anfangs vorsichtige Annäherung mündete dann rasch auch in wirtschaftliche Zusammenarbeit, da Südkoreas Industrie sich mehr und mehr entwickelte und aufgrund ihrer Exportorientierung enorme Erfolge auf dem Weltmarkt erzielte (Südkorea nimmt heute etwa Platz 10 der reichsten Volkswirtschaften der Welt ein). Diese wirtschaftliche Expansion Südkoreas ließ es auch für China angezeigt erscheinen, politische Ressentiments fallen zu lassen und die Beziehungen völkerrechtlich zu legalisieren und wirtschaftlich zu liberalisieren. Das gegenüber Südkorea bitterarme und wirtschaftlich rückständige, über die Jahrzehnte immer wieder von Hungersnöten heimgesuchte Nordkorea hingegen, leidet bis heute unter seiner Separation vom Weltmarkt und ist seit dem Koreakrieg auf Hilfslieferungen und Unterstützung aus China auf allen Sektoren der Wirtschaft angewiesen.
Die politischen Beziehungen Nordkoreas zu China wurden nach der „Entstalinisierung“ in der Sowjetunion und in der Zeit zunehmender Feindseligkeiten zwischen China und der Sowjetunion immer enger. Allerdings betreibt Nordkorea –ähnlich wie früher Albanien in Europa- aufgrund seiner bis heute stalinistischem Vorbild folgenden diktatorischen Regierung eine strikte Abschließungspolitik gegenüber dem Ausland. Diese ist selbst gegen andere asiatische Länder der Fall. Allerdings herrscht im Norden Nordkoreas ein reger legaler wie auch illegaler Grenzverkehr nach China, zumal es auch erhebliche ethnische Gemeinsamkeiten unter den dort ansässigen Volksgruppen gibt.